Zum Hauptinhalt springen
Thilo Fuhrmann

Schoko

Wir bekamen Schoko vor etwa drei Jahren, also etwa 2023. Sie war vorher in Brakel in einem Pastorenhaushalt der besondere Liebling der Haushälterin des Pastors. Sie war drei Jahre alt, als Frau Schröder, die Haushälterin, Schoko vom Züchter gekauft hat. Als wir sie bekamen war Schoko bereits 13 Jahre alt.

Wir erfuhren, dass der Pastor verstorben war. Frau Schröder soll den Pastor mit dem Messer bedroht haben. Im Zuge ihrer zunehmenden Verwirrung hat Frau Schröder alle Dokumente, unter anderem auch die, die den Hund betrafen, vernichtet. Wir hatten also von dieser Seite keine Infos über Schoko. Frau Schröder kam zunächst in die Psychiatrie und dann einige Zeit später in eine Altenheim. Frau Angelika Schlütz hatte die Pflege von Frau Schröder übernommen und als sie ins Heim kam, fragte Frau Schlütz uns, ob wir den Hund in Pflege nehmen würden. Meine Frau fragte mich, ob ich damit einverstanden wäre und so kamen wir an Schoko.

Unser Hundefriseur in Detmold hat nach einigen Malen die Behandlung von Schoko eingestellt. Der Groomer, der uns dort behandelt hatte, ist zu unserem Tierarzt gewechselt und somit hatten wir wieder einen Ansprechpartner. Aber ich merkte, dass Clark, so ist der Name des Groomers, diesen Dienst nicht gerne übernehmen wollte. Also telefonierte ich in der gesamten Region herum und bekam so Kontakt zu Frau Rox aus Brakel, die Schoko bereits in der Zeit von Frau Schröder behandelt hatte. Von Frau Rox bekamen wir auch weitere Infos über Schoko und einige Fotos. Der ursprüngliche Tierarzt aus Brakel, Dr. Knoop, verweigerte uns die Herausgabe von Informationen über Schoko unter Hinweis auf das Datenschutzgesetz. Er verlangte von mir einen Kaufvertrag oder ähnliches, aus dem ersichtlich ist, das wir die neuen Eigentümer des Hundes seien. Aber eine solches Dokument existierte natürlich nicht, aber Dr. Knoop beharrte weiter auf seiner Position. Das hat mich extrem geärgert und ich brachte es gegenüber Dr. Knoop zum Ausdruck. Er verweigerte auch die Auskunft gegenüber einem anderen Tierarzt.

Schoko war ein sehr friedlicher und lieber Hund und vertrug sich ausgezeichnet mit unserer Lucy. Ich habe sie im Laufe der drei Jahre immer mehr in mein Herz geschlossen. Schoko war an den Umständen in denen sie sich befand völlig unschuldig, mangelnde medizinische Fürsorge, heftige Arthrose, faule Zähne, die bereits den Kiefer schädigten. Frau Schröder hatte wenig Geld und deshalb blieben bestimmte Behandlungen vermutlich aus.

Leider musste ich Schoko am 15.12.2025 einschläfern lassen. Sie hatte bereits seit dem 12./13.12.25 große Schmerzen und fraß auch nicht mehr. Wir gaben ihr Wasser, teilweise durch hinhalten einer Trinkschale oder durch eine Spritze, direkt in ihr Maul. Dann fing sie ab Samstag Nacht in unregelmäßigen Abständen an laut zu bellen und zu stöhnen. Wir gaben ihr alle zwei Stunden etwas Novalgin, aufgelöst in Wasser. Sie schied auch nichts mehr aus. Sie lag neben meinem Bett in ihrem Körbchen und ich wachte jedes mal auf, wenn Schoko einen Laut von sich gab. Ich fühlte mich so hilflos und hätte dem Tier gerne geholfen. Ich hielt sie ab und zu in meinen Armen und ihr zu signalisieren, dass sie nicht alleine ist.

Als wir sie bekamen, war sie inkontinent. Dem Vernehmen nach soll sie bei ihren vorigen Besitzern durch eine Katzenklappe selbständig das Haus verlassen haben und kam nach einem Spaziergang oder einer Verrichtung auch wieder selbständig herein. Wir haben keine Katzenklappe und wenn Schoko ein Bedürfnis verspürte, verrichtete sie es im Raum, in dem sie sich gerade befand, also Wohnzimmer, Küche oder Flur. Nach wenigen Tagen kam meine Frau auf die Idee Windeln zu kaufen, mit einer Öffnung für den Hundeschwanz versehen und diese bei Schoko zu verwenden. Es hat sehr gut geklappt. Allerdings mussten wir Schoko täglich ausführlich den Afterbereich nass und mit Shampoo reinigen. Aber eines Tages war Schoko "trocken". Sie pinkelte nicht mehr in die Windeln und kotete auch nicht mehr ein. Das gab uns das Gefühl, dass Schoko verstanden hatte.

Einmal haben wir zusammen mit unseren beiden Hunden ein Haus in St. Peter Ording gemietet. Das Haus liegt genau am Ortsanfang und freie Felder waren fußläufig in wenigen Minuten erreichbar. Ich bin ab morgens mehrmals am Tag mit beiden Hunden auf einer dieser Wiesen spazieren gegangen und unsere Hunde erledigten ihre Geschäfte. Natürlich muss man auch an den Strand, wenn man schon einmal in dem sehr schönen  St. Peter Ording ist. Wir erlebten plötzlich eine ganz aufgeregte Hündin. Unsere Schoko war neugierig auf die anderen Hunde am Hundestrand, auf das Wasser und rannte zusammen mit unserer Lucy voller Begeisterung auf dem Strand herum. Wir haben in diesem Moment eine ganz andere, eine neugierige und voller Lebensfreunde laufende Hündin kennengelernt.

Es war schön, dass wir Schoko bei uns haben durften!